Vom Schutzschild zur Weinschänke

Das bamberger tor

Dort, wo heute der Gast fröhlich in die Weinstube Einkehr hält, befand sich Jahrhunderte lang eine der Schlüsselpositionen in der ausgeklügelten Stadtbefestigung Kronachs.

Wahrscheinlich schon mit der Stadtmauer im 14. Jahrhundert an der Westseite der Bergstadt entstanden, findet es 1444 seine erste urkundliche Erwähnung. Damals hieß es noch „Haßlacher Tor“. Eigentlich bestand es ja aus zwei Toren –  einem inneren und einem äußeren. Diese kombinierte Anlage wurde zudem noch durch einen aufgesetzten viereckigen mit Zinnen gekrönten Turm geschützt.

Seine wohl größte Bewährungsprobe bestand es während der drei Schweden-Belagerungen in den Jahren 1632 – 34: Am 17./18. Mai 1632 richtete sich der –  „ mit großer Furi“ –  vorgetragene Sturm der von Obrist Clauß Hastver geführten Vorhut der Belagerungsarmee gegen die Vorstadt und das äußere Tor. Doch die Angreifer – an die 2000 Mann! – wurden wieder zurückgetrieben. Während auf Kronacher Seite hierbei als
Einziger der Schuster Hans Dorsch sein Leben ließ, soll es unter den Stürmenden rund 300 Tote gegeben haben.

Schon am 2. Februar 1633 liefen schwedische Truppen, etwa 3000 Mann stark, erneut Sturm gegen dieses – Tor – wiederum vergeblich. Die schlechten Erfahrungen der Vorjahre beherzigend, richtete der Feind während der dritten Belagerung am 31. März 1634 zunächst ein so verheerendes Bombardement auf das Tor, dass zwischen dessen innerem und äußerem Teil ein großes Loch entstand, das die Kronacher jedoch mit Steinen, Erde und Mist schnell wieder stopften.Und wiederum wurde der darauf folgende Generalsturm von etwa 4000 Schweden glücklich abgeschlagen.

Wen wundert es, dass nach Ende des Dreißigjährigen Krieges der arg ramponierte Torturm abgerissen wurde. 1654 wurde das Tor umfassend erneuert und ein neuer Turm erbaut – dieser jedoch nicht mehr auf dem Tor selbst, sondern auf der Westseite des äußeren Vortores. Anderthalb Jahrhunderte später wurde auch dieser wieder abgebrochen und stattdessen der Wohnbau über dem Vortor erweitert. Unter dem Torhaus entstand 1927 ein Durchlass für den Fußgängerverkehr. Im Torhaus selbst, wo sich im 19. Jahrhundert die Dienstwohnung eines Polizeiwachtmeisters befand, regieren seit 1979 Weingott Bacchus und die Gemütlichkeit.

Gottfried Neukam

der künstler

aus dem bamberger tor

Der wohl prominenteste Bewohner des Bamberger Tores war der Kunsthandwerker und Grafiker Gottfried Neukam (1892-1959). Er war der Sohn von Franz Neukam (1858-1928), der als frisch gebackener Polizeiwachtmeister 1890 die Dienstwohnung im Torhaus (die jetzige Weinstube Alte Torwache) bezogen hatte.

Unterrichtet in der katholischen Kronacher Knabenvolksschule und danach in der Königlichen Realschule seiner Heimatstadt, war er am besten im Fach Zeichnen. Als Steinhauer verdiente er sich die Finanzen für seine fünfjährige

 Ausbildung an der Kunstgewerbeschule Nürnberg. Dort begeisterte ihn vor allem das Fach „Figurales Modellieren“.

Obwohl dem Vater ein „Sinn fürs Schöne“ nicht abgesprochen werden kann, hat er dennoch nie befürwortet, dass sein, am 12. Januar 1892 im Bamberger Tor geborener ältester Sohn Gottfried die Künstlerlaufbahn einschlagen wollte. Lebten doch die Eltern in bescheidenen Verhältnissen. Dies wurde der kleine Gottfried schon von Kindesbeinen an gewahr. „ Das alltägliche Leben von Wohnen, Essen und Spielen fand in nur wenigen Räumen statt, weshalb auch die Kinder aus Platzgründen in einer Dachkammer schliefen. Gottfried Neukam erzählte später oft davon, wie im Winter der Schnee durch die Ziegel herein geblasen wurde “, heißt es in einer Jubiläumsschrift zum 100. Geburtstag des Heimatkünstlers.

1914 Kriegsfreiwilliger, bescherte ein Geschwür dem „Aspiranten Wind“ (so sein damaliger Spitzname) eine Stelle an der „Heimatfront“ – als Schreiber und Funker in Bayreuth. 1919 demobilisiert, kehrte er nach Kronach zurück, wurde Zeichenlehrer – und blieb dies 40 Jahre lang. Doch war ihm der Beruf stets nur Mittel zum Zweck – nämlich der Finanzierung seines Wirkens als Kunstschaffender.

Es gab kaum ein Material, mit dem er nicht arbeitete und auch kaum eine Technik, mit der er sich nicht beschäftigte: Plastische Arbeiten in Ton, Holz, Elfenbein und Metall, Malerei auf Holz, Leinwand und Keramik, grafische Techniken wie Holzschnitt und Kupferstich (auch Mezzotinto) usw. Womit er arbeitete, scheint für ihn keinen Unterschied gemacht zu haben, denn er hatte keine Schwierigkeiten, sich in allem auszudrücken “, heißt es in der Jubiläumsschrift.

Dass er in der Nazi-Zeit auch größere Aufträge erhalten hatte, machte ihm den Neustart nach 1945 nicht leicht. Von nun an trat das künstlerische Schaffen immer mehr in den Vordergrund. Nach wie vor lebte Gottfried Neukam mit seinen unverheirateten Geschwistern im Bamberger Tor. 1950 gewährte ihm der Kronacher Stadtrat Mietfreiheit. Und hier fanden ihn am Morgen des 23. Mai 1959 auch Schwester Babette und Nichte Barbara Köster tot in seinem Bett, an Herzschlag verstorben. Nach Babettes Tod 1972 ging die Neukam-Wohnung als geschlossene Sammlung an die Stadt Kronach und wurde 1974 zur Gottfried-Neukam Kunstsammlung auf der Festung Rosenberg.