Das Bamberger Tor
Vom Schutzschild zur Weinschenke – eine Geschichte von Jahrhunderten voller Tapferkeit, Wandel und Genuss.
Die Ursprünge
Wo das Kopfsteinpflaster
Geschichten flüstert
Wo heute unsere Gäste gemütlich bei einem guten Glas Frankenwein einkehren, wurde einst erbittert um jeden Stein gekämpft. Die Alte Torwache hat ihren Platz in einem der geschichtsträchtigsten Gemäuer der Kronacher Altstadt – dem Bamberger Tor.
Zeitleiste
Kapitel I
Ein Tor mit bewegter Vergangenheit
Als im 14. Jahrhundert die Mauern um die Kronacher Bergstadt wuchsen, entstand an der Westseite ein mächtiger Zugang: das heutige Bamberger Tor, damals noch unter dem Namen „Haßlacher Tor“ bekannt. Erstmals taucht es 1444 in einer alten Bürgermeisterrechnung auf. Doch schon damals war es weit mehr als ein einfacher Durchgang – eine ausgeklügelte Doppeltoranlage mit innerem und äußerem Tor, gekrönt von einem viereckigen Wehrturm mit Zinnen, machte Angreifern das Leben schwer.
Kapitel II
Drei Belagerungen, drei Siege
Seine härteste Prüfung erlebte das Bamberger Tor im Dreißigjährigen Krieg, als schwedische Truppen gleich dreimal versuchten, Kronach in die Knie zu zwingen.
Der erste Sturm
Rund 2.000 Soldaten unter Obrist Clauß Hastver stürmten „mit großer Furi“ gegen die Vorstadt und das äußere Tor. Die Kronacher hielten stand – auf Seiten der Verteidiger fiel einzig der Schuster Hans Dorsch, während die Angreifer rund 300 Mann verloren haben sollen.
Der zweite Anlauf
Erneut rückten etwa 3.000 Schweden an und stürmten abermals gegen das Tor – wieder vergeblich. Kronach blieb unbezwungen.
Die Bresche
Die Belagerer ließen das Tor so heftig beschießen, dass ein klaffendes Loch entstand. Doch die Kronacher stopften die Bresche mit Steinen, Erde und Mist – und schlugen den Angriff von rund 4.000 Mann erneut zurück.
Die Spuren dieser Kämpfe sind bis heute sichtbar: Dort, wo die Bresche geflickt wurde, unterscheidet sich der rötlichere Sandstein deutlich vom ursprünglichen Mauerwerk.
Kapitel III
Vom Wehrturm zum Wohnhaus
Nach den Verwüstungen des Dreißigjährigen Krieges wurde der schwer beschädigte Torturm abgetragen. 1654 baute man das Tor grundlegend um und errichtete einen neuen Turm – diesmal allerdings nicht mehr auf dem Tor selbst, sondern versetzt auf der Westseite des Vortores. Rund anderthalb Jahrhunderte später verschwand auch dieser Turm, und der Wohnbau über dem Vortor wurde stattdessen erweitert.
Was heute noch steht, ist das zweigeschossige Vortor mit seinem hölzernen Torflügel aus dem Jahr 1650. Auf der Stadtseite, zum Melchior-Otto-Platz hin, zeigt es sein hübsches Fachwerk-Obergeschoss. An der Außenseite zur Schwedenstraße prangen stolz die Wappen der Stadt Kronach und des Hochstifts Bamberg.
Von einst drei großen Stadttoren, die in Kronachs Obere Stadt führten, ist das Bamberger Tor das einzige, das die Jahrhunderte überdauert hat.
Kapitel IV
Und dann kam der Wein
Im 19. Jahrhundert diente das Torhaus als Dienstwohnung eines Polizeiwachtmeisters – statt fröhlichem Gläserklang herrschte hier wohl eher Ordnungshüter-Strenge.
Doch 1979 hielt endlich der gute Geschmack Einzug – im wahrsten Sinne des Wortes: Aus der Wachstube wurde eine Weinstube. Seitdem ist die Alte Torwache ein Ort, an dem Geschichte lebendig wird – bei einem guten Schoppen, in einem Gemäuer, das schon schwedischen Kanonenkugeln getrotzt hat.
Herzlich willkommen in der Weinstube Alte Torwache – dem wohl wehrhaftesten Weinlokal Frankens.
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Erleben Sie die Geschichte in jedem Glas.